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2002 Ruth Auffenberg |
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![]() Mein Famulaturkrankenhaus lag mitten in der Stadt bei der medizinischen Fakultät, es dauerte keine 10 Minuten, mit dem Bus dorthin zu kommen. Auf dem Klinikgelände fiel ein großes Gebäudeskelett auf. Dieses ist ein in den 80er Jahren geplantes und angefangenes Gebäude, in dem man die auf einzelne, kleine verstreute Häuser verteilten Stationen zusammenfassen wollte. Aber das Gebäude ist aufgrund des Krieges und der nun herrschenden finanziellen Misere nie fertig geworden, und mittlerweile wachsen Bäume in dem Rohbau. Ich habe zwei Wochen auf der Neurochirurgie und zwei Wochen auf der Gefäßchirurgie famuliert. Im Krankenhaus habe ich mich sehr wohl gefühlt: es fand sich immer ein Arzt, der mir etwas zeigte und auf Englisch, Deutsch oder Latein erklärte. Ich habe in der Neurochirurgie viel Zeit in der Aufnahme und im Operationsraum verbracht. In der Aufnahme durfte ich Patienten untersuchen und lernen, Reflexe ohne Reflexhammer auszulösen, da es auf der ganzen Abteilung nur einen gab. Meine Zeit auf der Gefäßchirurgie habe ich hauptsächlich im Operationssaal verbracht. Und während der gefäßchirurgischen Operationen habe ich viel assistieren dürfen und auch nähen gelernt. In einem serbischen Krankenhaus ist manches anders als in einem deutschen. Als erstes fiel mir der materielle Mangel auf. Es gab keine Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion auf Station, die Bettwäsche hatte oft Aufdrucke deutscher Universitätskliniken, ebenso die Kittel im Operationsbereich, wo auch die Klimaanlage oft kaputt war. Mit Operationsmaterialen wurde sehr sparsam umgegangen. Nicht gebrauchte Stücke einer Gefäßprothese zum Beispiel wurden manchmal sterilisiert und wieder verwendet, oder auch einzelne Teile aus sterilen Sets, zum Beispiel zur Wundversorgung, wurden nicht weggeschmissen. Einmal war die Kopffixierung am Operationstisch kaputt: mehrere Reparaturversuche, während der Patient schon auf dem Operationstisch lag, scheiterten und als Lösung wurde dann schließlich der Kopf des Patienten mit Leukoplast fixiert. Im Krankenhausalltag wurde viel improvisiert und zu manchem Problem hörte man auch nur "Nema Problema", und es wurde einfach ignoriert bis zur "Catastropha". Aber wenn ein Arzt 200 Euro im Monat verdient, was auch in Serbien keinesfalls zum Leben reicht, kann man vielleicht diese mir oft resignativ vorkommende Haltung verstehen. Traurig ist es auch, wenn Ärzte einem in einer bestimmten Situation erzählen, dass sie vor dem Krieg ein MRT oder CT gemacht hätten, sie es auch für sinnvoll erachten würden, das jetzt zu tun, ihnen aber die finanziellen Mittel fehlen, da die staatliche Pflichtversicherung nicht alle anfallenden Kosten trägt. Oder viele der jungen gut ausgebildeten Ärzte einem erzählen, dass sie am liebsten in einem anderen, westeuropäischen Land im Krankenhaus arbeiten würden. Nach der Zeit im Krankenhaus
bin ich in den ersten Wochen, als das Wetter noch schön war, oft zum
Donaustrand schwimmen gegangen. Dort gab es einen wunderschönen weißen
breiten Sandstrand, eine Liegewiese und rundherum viele Cafes, Bars und
andere Buden. Mitten auf diesem Gelände stand eine von den bombardierten
Brücken. Sie war noch total zerstört und es war schon ein seltsames
Gefühl: all die Leute da in der Sonne liegen zu sehen, wie ich selbst
ja auch, und zwischen den Brückentrümmern zu schwimmen. An Wochenenden
erkundete ich mit anderen ausländischen und serbischen Studenten Novi
Sad, umliegende Orte und Belgrad. Unterwegs hat man eigentlich immer jemanden
getroffen, der einem bei Problemen den richtigen Weg oder den richtigen
Bus zu finden weiter geholfen hat. Nicht selten war es eine Kommunikation
mit Händen und Füßen, aber viele konnten auch Deutsch und
wenige Englisch. Während dieser Ausflüge habe ich einiges vom
Land gesehen und viele nette gastfreundliche und offene Menschen kennen
gelernt.
Ruth
Auffenberg aus Lübeck war 2002 in Novi Sad, Jugoslawien
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