Kathmandu, Nepal
2002
Francisco Aris Martin
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Nach ein paar Tagen des Einlebens begebe ich mich ins Kathmandu Model Hospital, wo meine erste Famulatur beginnen soll. Ich werde auf der inneren Station und der Neurochirurgie famulieren, wobei ich erwähnen möchte, dass die Station und der Arbeitstag generell frei wählbar und einteilbar ist und sich alle Ärzte freuen, wenn ausländische Studenten Interesse an ihrem Fach bekunden. Ein junger Assistenzarzt soll mir bei Fragen behilflich sein und im allgemeinen mein Ansprechpartner sein. Im nachhinein hat sich gezeigt, dass alle Kollegen, vom AiP´ler bis zum Chefarzt, immer ein offenes Ohr für Fragen zu Medizin oder zu sozialen Aspekten hatten.

Der Arbeitstag beginnt um 8.00 Uhr mit einer kurzen Besprechung der Vorkommnisse der letzten Nacht und ist wie üblich auf englisch. Danach treffen sich die Abteilungen zur Visite, die relativ lang geht. Auf der inneren Station dauert sie um die 2 Stunden. Dort wird jeder Patient besprochen und das weitere Procedere geklärt. Die Allgemeinstation besteht aus Sälen für bis zu 12 Patienten, deren Betten durch Vorhänge von einander getrennt sind. Da es im Krankenhaus selber keine Verpflegung gibt und im allgemeinen keine Krankenversicherung, sind die Angehörigen oft auch dort, um die Patienten mit Lebensmitteln zu versorgen oder die Medikamente kaufen zu gehen. Dementsprechend voll ist es. Die Krankheitsbilder reichen von HIV, Tbc jeden Stadiums über Typhus und weiteren Infektionserkrankungen bis zu Mangelernährungssyndromen. Die infektiösen Patienten können aufgrund der Umstände nicht isoliert werden, sodass Luftanhalten bei hustenden Tbc Patienten zu empfehlen ist. Am späten Vormittag begebe ich mich dann zur neurochirurgischen Visite. Dr. Pant ist ein in ganz Südostasien renommierter Neurochirurg, der aus Passion für die Arbeit und das Land nicht ins Ausland geht. Ich kann jedem/jeder nur empfehlen einen Teil seiner/ihrer Zeit bei ihm zu verbringen, da er außerdem ein hervorragender Lehrer ist bei dem man viel praxisorientiert lernen kann.

Meine 2. Famulatur war im Kanti Bal Children Hospital geplant. Es ist die einzige Kinderklinik in ganz Nepal!! Das Kanti hat 300 Betten und ist ein staatliches Krankenhaus. Medizinische Hilfe ist hier sehr kostengünstig und bei Härtefällen gibt es kostenlose Medikamente. Mit den PJ´lern der Station habe ich mich schnell angefreundet und zusammen mit ihnen viele Einblicke in das Studentenleben in Nepal bekommen. Anders als bei uns zum Beispiel, rotieren sie im PJ durch alle Fachbereiche. Für die Kinderheilkunde sind 4 Wochen vorgesehen. Morgens ist erst mal Visite dran. Das heißt 2 bis 3 Stunden die Stationen besuchen und die Kinder untersuchen, und dann das weitere Prozedere besprechen. Die Ärzte beziehen uns Studenten gut mit ein und freundlich wird man dies oder jenes gefragt. Danach kommen die sogenannten " Small procedures", dass heißt Lumbalpuntionen oder Drainagen, etc.. Zwischendurch nehmen die Ärzte uns Studenten/innen immer beiseite um Krankheitsbilder im Sinne eines POL ( Problem orientiertes lernen) durchzusprechen. Die Stimmung ist immer wohlwollend und ich habe viel von den exzellenten Ärzten lernen können.

Zweimal pro Woche, wenn unsere Gruppe Ambulanzdienst hat, muss man auch die Überwachungsstation versorgen, sowie die Notaufnahme betreuen. Dort habe ich eine Familie gesehen, die aus Mangel an Beatmungsgeräten eine Woche lang im Wechsel ein zweijähriges Kind per Hand mit dem Beatmungsbeutel beatmet hat. Das Kind ist verstorben. Auf solche belastenden Erlebnisse sollte man sich vorher einstellen, aber meistens ist die Realität, die man hier sieht mehr als man im Vorfeld vermutet hat.

Francisco Arias Martin aus Göttingen 2002 war in Kathmandu, Nepal
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