Chitipa, Malawi
2002
Martha Grodzki
.
.
.Das Krankenhaus umfasst ungefähr 100 Betten, wobei kein Patient abgewiesen wird, so dass die Stationen immer überfüllt sind, jeder Quadratzentimeter freien Bodens ausgenutzt. Und wenn nicht von Patienten, dann von ihren Verwandten, die mitgekommen sind, um sie zu pflegen. Zu den Angestellten zählten bis vor kurzem zwei deutsche Ärzte, ansonsten vier allgemeine Clinical officer(CO), und jeweils ein Spezialisierter in Anästhesie, Augenheilkunde, Dermatologie, Orthopädie und ein Dentist, sowie einige wenige Krankenschwestern. Die Stationen sind große Räume mit vielen Betten. Es gibt eine Männer-, eine Frauen-, eine Kinder-, eine Unterernährten und eine Tuberkulose-/Quarantänestation.

An zwei Tagen in der Woche wird operiert. Die häufigsten Operationen sind Hydrozelen Hernien aller Couleur, besonders inguinale, Kaiserschnitte, Hysterektomien und eher seltener eine Thyroidektomie oder ein akutes Abdomen. An den übrigen Tagen werden Visiten gemacht und kleine Chirurgie. Die besteht zumeist aus Abszessspaltungen, Tubenligaturen, Ausschabungen, Wundabtragungen und Wundversorgung. Die zur Verfügung stehende Diagnostik besteht aus einem Röntgengerät, einem Sonographiegerät und einem Mikroskop zur Malaria und Tuberkulosediagnostik. Ebenso wie die diagnostischen sind auch die therapeutischen Möglichkeiten beschränkt. Es gibt in der Regel genug Medikamente, die auch kostenfrei ausgegeben werden, und so fehlt es zum Beispiel nicht an Antibiotika, Malariatherapie, Asthmatherapie und Wurmmitteln. Die sogenannte Basisversorgung ist also gewährleistet. An die therapeutischen Grenzen stößt man, wenn es um HIV, chronische Erkrankungen, Tumoren, Hepatitiden oder "Exoten" geht. Ein befremdliches Gefühl, zu wissen, dass es Heilungschancen gibt, die Menschen in Afrika nur leider auf der falschen Hälfte der Erdkugel geboren wurden. Ich habe gelernt, dass das Schicksal ist. Mir schien aber, als hätten die Menschen sich damit arrangiert. Sie hadern nicht so sehr wie wir mit ihrem Schicksal, sondern haben gelernt, damit zu leben. Eine Adaptation an die schweren Lebensbedingungen.

Malawi wird es als Projektland erst einmal nicht mehr geben, aber wer als nächstes nach Afrika geht wird eine ganz andere Welt erleben. Ich habe dabei gelernt, nicht meine Welt als Messlatte für Ethik und Moral zu verwenden, und nicht nach gut und schlecht zu sortieren. Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass sich mir viele Fragen gestellt haben, auf die ich nicht alle Antworten gefunden habe, aber das ist es eben, was Afrika ausmacht. Simply , that´s africa.

Martha Grodzki aus Mainz war 2002 in Chitipa /Malawi

 

.
.
Back to Main Page