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Ich
befinde mich in einem abgedunkelten Raum, durch eine Scheibe beobachte
ich ein kleines Kind namens B., das einer Kinderärztin eine Brandwunde
auf seinem Bauch zeigt. Minuten später versuche ich festzuhalten,
wie B. der Ärztin zögernd seine Geschichte erzählt. Ich
schreibe Dinge nieder, die ich nicht glauben möchte. "It was a cigarette…".Ein
freundlicher Raum, bunte Wände, Spielsachen, an der Wand gegenüber
das Bild, auf das mein Blick seit Wochen immer wieder fällt. Ich lausche
einer freundlichen, liebevollen Stimme, die mir inzwischen sehr vertraut
vorkommt. Die Stunde ist fast vorbei und ich spüre eine Veränderung
in dem Jungen, mit dem Joanna spricht. Sie scheint seine unsichtbare Schutzmauer
ein wenig durchbrochen zu haben.
Mein Kopf ist so voller
Erinnerungen (sei es die Mitarbeit im Child Advocacy and Assessment Program
= CAAP in der McMaster University, die Famulatur in Joannas Kinderpsychiatriepraxis
oder ein Treffen der "Physicians for global survival", der kanadischen
IPPNW)! Ich habe zwei wunderschöne Monate in Kanada verbracht und
genieße es zu spüren, wie mich die vielfältigen Erfahrungen
beeinflusst und ein wenig verändert haben. Die Santa Barbaras haben
mich sehr offenherzig und freundlich empfangen und ich habe mich in der
Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte, wie ein Familienmitglied gefühlt.
Es ist nicht einfach, in Worte zu fassen, was ich alles gelernt habe.
Medizinisch
gesehen hat sich mir ein sehr interessantes, breit gefächertes Gebiet
aufgetan: Kinder- und Jugendpsychiatrie, speziell Kindesmisshandlung. Sowohl
in Joannas Praxis als auch im CAAP Team konnte ich meine Beobachtung schulen,
aus der Interviewtrickkiste erfahrener Menschen lernen, sehen, wie man
schwierige Gesprächssituationen meistert.…Ich habe einen Einblick
in Therapiemöglichkeiten von Medikamenten über Gesprächstherapie
zu verschiedenen Programmen für "schwierige" Kinder bekommen. Wahnsinnig
toll war die Erfahrung, in einem sehr guten Team mitzuarbeiten und außergewöhnliches
teaching zu erfahren: Das CAAP Team besteht aus ÄrztInnen (ja, es
gibt inzwischen einen männlichen Arzt im Team…), Child Life Specialists,
einer Krankenschwester, Sozialarbeiterinnen und PraktikantInnen. Sie interviewen
Familienmitglieder in Hinblick auf jegliche Form von Kindesmisshandlung
oder Vernachlässigung und entscheiden in gemeinsamen Mittagsbesprechungen
(mit leckerem Kuchen…), welches weitere Vorgehen sie den überweisenden
Jugendämtern und Familien empfehlen sollen. Die Zusammenarbeit ist
geprägt von gegenseitigem Respekt, was sich auch auf das Verhältnis
zu Studenten und den begutachteten Familien auswirkt. Ich hatte die Gelegenheit,
Interviews sowohl hinter der Glasscheibe als auch zusammen mit einer Ärztin
zu erleben, Berichte darüber zu schreiben und meine Eindrücke
in Worte zu fassen. Das feedback, das sie mir gab, war mehr als hilfreich!
Gesundheitseffekte von Krieg und Nuklearwaffen erarbeiten, ein nationales
PGS Treffen besuchen und vieles, vieles mehr.
Claudia
Raichle aus Ulm war 2002 in Hamilton, Kanada
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